Grammatik auf dem Pausenhof
"Kinder: Rauf auf das Klettergerüst!
... und nun auf die Rutsche!,
...und zum Schluss: Auf den Felsenberg"

Heißt das jetzt „Ich sitze auf die Schaukel“ oder „Ich sitze auf der Schaukel“? Und wie können wir uns richtig ausdrücken, wenn wir meinen, ob der Ball in das Tor fliegt oder ob er bereits im Tor liegt? Mit diesem schwierigen sprachlichen Problem beschäftigten sich am Dienstag in der 4. Unterrichtsstunde die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3 c mit ihrem Klassenlehrer Herrn Daum und der Lehrkraft für Sportförderunterricht Herrn Stitzinger. An die komplizierte sprachliche Regel der vier Fälle in der deutschen Sprache (Kasus), die für viele Kinder eine besonders große Hürde darstellt, wurde die eifrige Lerngruppe über eigene Bewegungserfahrungen eindrucksvoll herangeführt. Die motivierten Mädchen und Jungen erhielten von ihren Lehrern auf dem Schulgelände zwischen Klettergerüst, Schaukel und Felsenberg Orientierungsaufgaben, die sie sofort bewegungsfreudig ausführten: „Alle Kinder laufen jetzt auf den Kletterbaum!“ Mit der anschließenden Frage „Wo seid ihr jetzt?“ fiel den Kindern auf, dass sich sprachlich immer etwas ändert, wenn nicht mehr vom Hinlaufen die Rede ist, sondern vom Sitzen: „Wir sitzen jetzt auf dem Kletterbaum“. Dabei muss man auch ganz deutlich hinhören, um den Unterschied zwischen /n/ und /m/ überhaupt wahrzunehmen.

 

Dass das nicht leicht ist für die Schülerinnen und Schüler der Förderschule Schwerpunkt Sprache, wissen die Lehrkräfte der Schule Im Großen Freien sehr genau. Deshalb nahm fast das gesamte Kollegium der Schule am vergangenen Wochenende an einer Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) in den Räumen der Leibniz Universität Hannover zum Thema „Spezifische Sprachförderung im Bereich Syntax und Morphologie“ teil und erarbeiteten mit dem Referenten und Fachseminarleiter des Studienseminars Sonderpädagogik Herrn Stitzinger theoretische Grundlagen der Grammatikentwicklung und Möglichkeiten der praxiswirksamen Umsetzung im Unterricht. Dies war eine von fünf Tagesseminaren einer Qualifizierungsmaßnahme der dgs, die speziell für Förderpädagogen mit dem Schwerpunkt Sprache in Niedersachsen angeboten wird. Die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer der Schule Im Großen Freien erwerben vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und förderlicher unterrichtspraktischer Konzepte eine besondere Qualifizierung in den verschiedenen Bereichen der Sprachpädagogik mit einem Abschlusszertifikat.

 

So wird die begonnene Grammatikförderung der Klasse 3 c im Deutschunterricht in der Verbindung mit dem Sportförderunterricht keine Einzelstunde bleiben, sondern wird fortgesetzt in einer wöchentlichen Unterrichtsstunde, in der die Schülerinnen und Schüler über das eigene Bewegungshandeln Kenntnisse der sprachlichen Formen von Dativ und Akkusativ exemplarisch erwerben und wertvolle Einsichten in unsere Sprachstrukturen gewinnen können.


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