Schulchronik der Schule Im Großen Freien
Schule Im Großen Freien 1912

 

von: Andreas Pohl

(Postkarten mit freundlicher Erlaubnis der Fam. Bartels, Ilten; Fotos aus dem Schularchiv; Luftbild von Christian Klocke)

 

0. Einleitung

Die Chronik der Schule Im Großen Freien (SIGF) umfasst im Wesentlichen drei Bereiche, die näher zu beleuchten sind. Da ist der Name der Schule, der historisch bedingt eine enge Anbindung an die geschichtliche Entwicklung einer Region vermittelt, da ist ein Schulgebäude, das in seiner Entwicklung unterschiedlichste Nutzungen erfahren hat und da ist die Förderschule Schwerpunkt Sprache, die in dieser Region nachhaltig die schulische Förderung der sprachbehinderten Schülerinnen und Schüler der östlichen Region Hannovers beeinflusst hat.

 

 

1. Das Große Freie und seine Bedeutung

Warum letztlich die Siedler im Gebiet der heutigen Städte Lehrte und Sehnde das Privileg der freien Siedler hatten, ist geschichtlich nicht genau zu klären. Allerdings gilt dieses Recht seit mehr als 760 Jahren und ist in seinen Einzelheiten im Buch: Das Große Freie von A. Meyer und K-R. Rose (Hrsg.), Dezember 2008, Hübner-Verlag Lehrte genauer nachzulesen. Entsprechende Erwähnungen gibt es jedenfalls einige, so wird u. a. von den Freien vor dem Nordwalde gesprochen. So umfasste das Privileg auch die Rechtsprechung im Siedlungsgebiet, die von 1501 bis 1730 in Ilten beim Freiending durchgeführt wurde. Die Freien waren keine Leibeigenen, mussten deshalb auch nur eine geringe Königspacht bezahlen, durften ihr Anwesen frei veräußern, mussten allerdings Waffendienste für den König durch selbst finanzierte Waffen tätigen. Auch das ehemalige Amtgebäude erinnert an diese Tradition.

Man unterscheidet das Große und das Kleine Freie. Das Große Freie umfasste u. a. im Wesentlichen das heutige Stadtgebiet von Sehnde.

Im Jahr 1990 gab sich durch Bestrebungen des damaligen Rektors, Herrn Christian Schütte, und der Gesamtkonferenz die Schule den heutigen Namen Schule Im Großen Freien, der von allen zuständigen Behörden akzeptiert wurde. Die offizielle Namengebung erfolgte im Rahmen von Feierlichkeiten im Juli 1990.

 

Als derzeitiger Rektor der Schule Im Großen Freien bin ich sehr zufrieden mit dieser Namenswahl. Beinhaltet sie einerseits eine geschichtliche Verwurzelung mit dem Standort, gibt er aber andererseits auch Raum für Spekulationen hinsichtlich des Arbeitsauftrages der Schule. So ist in einer immer stärker durch Kommunikation und neue Technologien beherrschten Gesellschaft das Ziel der Schule bestens enthalten. Schülerinnen und Schüler der Schule sollen hinsichtlich ihrer Einschränkungen und ihres Förderbedarfs so gestützt, gefördert und unterstützt werden, dass sie an der Gesellschaft teilhaben können. Sie sollen „frei“ gemacht werden, von behindernden Bedingungen und umgehen lernen, mit ihren möglicherweise einschränkenden Möglichkeiten zur Teilhabe. Sie sollen lernen, wie und mit welchen Mitteln sie in und an unserer Gesellschaft teilnehmen können. Diesem Bildungsauftrag hat sich die Schule Im Großen Freien verpflichtet.

 

 

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Die Schule Im Großen Freien 1915
Moderner Unterricht in den 50er Jahren
Mit Anbau am Eingangsbereich
Schule im Jahr 1965

2. Das Schulgebäude und seine Nutzung

Das Schulgebäude der Schule Im Großen Freien wurde in der Zeit von 1910 bis 1912 erbaut als Volksschule für Ilten. 1950 erfolgte an der Südseite eine Erweiterung der Schule um zwei Klassenräume, eine Lehrküche und ein Lehrerzimmer. Die Wohnung des Rektors hat sich damals noch im Schulgebäude befunden. 1957 wurde auf der Nordseite ein WC-Bereich angebaut und damit der Eingangsbereich verändert.

1964 wurde an der Nordseite des Grundstücks (Hindenburgstrasse) ein Neubau mit Wohnungen im Obergeschoss und dem Feuerwehrgerätehaus im Erdgeschoss gebaut. Damit war für das Schulgebäude die Sicht zur Strasse weitestgehend verbaut.

Aufgrund von Kapazitätsengpässen wurde das Schulgebäude 1965 als Volksschule aufgegeben, ein Neubau als Mittelpunktschule (Wilhelm-Raabe-Schule) wurde umgesetzt. Am 21.04.1965 wurde in der Trägerschaft des Zweckverbandes der Gemeinden (im Wesentlichen der heutigen Stadt Sehnde) die Sonderschule Ilten mit einem Rektor und 2 Lehrkräften gegründet. Rektor der Schule war Friedrich Moitje. Die Schule beschulte lernbehinderte Schülerinnen und Schüler. 1968 wurde der Gymnastikraum der Schule aufgegeben zugunsten der Benutzung der Sporthalle in Ilten. Außerdem wurden 1968 auch verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler in der Schule beschult, 1971 wurde eine Klasse für geistig behinderte Kinder eingerichtet. 1970 wechselte die Trägerschaft zum Landkreis Hannover. Die Schule umfasste als Kreissonderschule zu dieser Zeit rund 100 Schülerinnen und Schüler. Bereits 1973 findet in der SIGF Schwimmunterricht in Höver statt, um allen Schülerinnen und Schülern spätestens zum Schulabschluss die Schwimmbefähigung zu ermöglichen. Die Unterrichtsversorgung betrug phasenweise nur 40%. 1975 wurde auf Antrag der Eltern in der Schule die 5-Tage-Woche eingeführt, auch um dem Problem der Unterrichtsversorgung zu begegnen. 1977 wurde ein Klassenraum im Keller der Schule eingerichtet. 1981 erfolgte der Auszug des Rektors Moitje aus der Dienstwohnung in der Schule, der Schule wurden durch Umbau weitere Klassenräume zur Verfügung gestellt. Es wurde auch ein Medienraum eingerichtet. 1985 findet eine Schulfestwoche zum 20jährigen Bestehen der Schule statt. 1985/86 erfolgten Überlegungen zu einem  kooperativen System im Sinne einer teilweise gemeinsamen Beschulung der Schülerinnen und Schüler der SIGF und der Wilhelm-Raabe-Schule im leer stehenden Hauptschulgebäudeteil in Ilten bzw. im Schulzentrum Sehnde. Diese Überlegungen scheiterten am Widerstand von Eltern, Schulleitungen und Politikern. 1986 wird Rektor Moitje pensioniert, als kommissarische Schulleiterin fungiert Frau Brabant. 1987 wird Herr Christian Schütte als Schulleiter ernannt. Ebenso 1987 führt ein Wasserrohrbruch auf dem Dachboden zum Unterrichtsausfall. 1989 erfolgt die erste Projektwoche in der Schule Im Großen Freien. 1990 wird die Schule offiziell im Rahmen eines Schulfestes als Schule Im Großen Freien benannt. Sie umfasst 55 Schülerinnen und Schüler in 7 Klassen. 1992 läuft die Beschulung lernbehinderter Schülerinnen und Schüler aus, die Schüler werden am Standort Lehrte beschult, die Schule wird Förderschule Schwerpunkt Sprache und ergänzt das Angebot des Landkreises im östlichen Landkreis.

 

 

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Schule Im Großen Freien nach Um- und Ausbau 2002
Schulhofumgestaltung Felsenberg 2006
Schulhofumgestaltung Sinnesgarten 2007

Im Zeitraum 1995 – 97 wird die Schule erweitert über einen Anbau (Pausenhalle und Verwaltungstrakt), Räumlichkeiten im Schulgebäude werden zu Klassenräumen umgebaut. Im März 1996 erfolgt das Richtfest, im Juli 1997 erfolgt die symbolische Schlüsselübergabe.

1998 und 2000 führt die Schule den Tag der offenen Tür durch. 1999 wird der Schulleiter Schütte im Rahmen eines Schulfestes pensioniert. Im Mai 2000 beginnt der derzeitige Rektor Andreas Pohl zunächst kommissarisch, ab Sommer 2000 offiziell seinen Dienst als Rektor.

2002 feiert die Schule Im Großen Freien als Förderschule Schwerpunkt Sprache ihr zehnjähriges Bestehen. Außerdem wird im Jahr 2002 der Förderverein der Schule gegründet, Geschäftsstelle ist die Schuladresse. Im Jahr 2003 erfolgen erste Veränderungen des Schulhofs durch Lehrkräfte und Eltern der Schule. In den Jahren 2006 und 2007 erfolgt eine umfassende Schulhofumgestaltung des Schulhofs durch den Förderverein, Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte. Es entstehen Spiellandschaften und Sinnesgärten.

Im Dezember 2005 kann die Schule drei neue Räumlichkeiten im Erdgeschoss des benachbarten ehemaligen Feuerwehrhauses beziehen und kann somit dem Andrang von rund 140 Schülerinnen und Schülern begegnen. In den Jahren 2000 bis 2008 folgt eine Vielzahl an Schulfesten, Projekttagen und –wochen. In den Jahren 2007 bis Anfang 2008 wird ein Computernetzwerk z. T. per Funk im Schulgebäude installiert, das mit Hilfe des Fördervereins und verschiedenen Spendern finanziert wird. Seit 2007 findet für ca. ein Drittel der Schülerinnen und Schüler der Unterricht nach den Prinzipien der Montessoripädagogik statt. Auch hier hat der Förderverein viele Spendenmittel zur Verfügung gestellt.

Seit 2005 hat der Schulträger, die Region Hannover, der Schule vermehrt finanzielle Mittel zur Ausstattung der Schule zur Verfügung gestellt. So konnten alle Klassenräume mit neuen Tischen und Stühlen, Schränken und anderen Dingen ausgestattet werden. Derzeit ist der Ausbau des Lehrerzimmers geplant, da dort lediglich Platz für die halbe Anzahl an tatsächlichen Lehrkräften vorhanden ist. Zurzeit beschult die Schule 150 Schülerinnen und Schüler, hat 24 Lehrkräfte und drei weitere Mitarbeiter.

 

 

 

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Schule Im Großen Freien heute (Luftaufnahme)

3. Die Förderschule Schwerpunkt Sprache

Die Schule Im Großen Freien wurde 1992 als letzte selbständige Förderschule Schwerpunkt Sprache in Niedersachsen gegründet. Allerdings sprach sich das damalige Kollegium noch gegen eine Umwidmung der Schule aus. Die Umwidmung entstand aus der Notwendigkeit, sprachbehinderten Kindern eine annähernd wohnortnahe Beschulung zu gewährleisten, die Schülerinnen und Schüler mit einem entsprechenden Förderbedarf wurden bis dahin entweder nach Langenhagen in die Gutzmannschule oder nach Pattensen zur Calenberger Schule befördert, beides Schulen für sprachbehinderte Kinder.

Die Konzeption der Schule umfasste ursprünglich das Einzugsgebiet Laatzen, Sehnde, Lehrte, Burgdorf und Uetze und sollte in einem ersten Entwurf Kinder bis Klasse 6 beschulen. Dies wurde allerdings wieder aufgegeben, so dass lediglich Schülerinnen und Schüler bis Klasse 4, d. h. dem Grundschulbereich beschult wurden. Bei bestehendem Förderbedarf wurden die Kinder nach Klasse 4 wie zuvor nach Pattensen oder Langenhagen befördert, je nach Wohnort.

Im Schuljahr 2003/04 wurden letztmalig Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsbereich Laatzen in die Schule Im Großen Freien eingeschult, weil der Schulträger den steigenden Schülerzahlen begegnen wollte. Seit dem Schuljahr 2004/05 beschränkte sich deshalb das Einzuggebiet auf die Städte und Gemeinde Sehnde, Lehrte, Burgdorf und Uetze. Dies führte allerdings nicht zum gewünschten Erfolg. Einerseits stiegen die Schülerzahlen im Bereich Laatzen, was die Calenberger Schule in Pattensen dazu veranlasste, eine Außenstelle in Laatzen gründen zu müssen, anderseits stiegen die Zahlen im Einzugsbereich der Schule Im Großen Freien auf im Maximum bis zu 140 Schülerinnen und Schüler, was die Anmietung neuer Unterrichtsräume im nahe gelegenen, ehemaligen Feuerwehrhaus notwendig machte.

Außerdem veränderte der Schulträger 2004 die Weiterbeschulungsmöglichkeit für Schülerinnen und Schüler der SIGF. So gehen Schülerinnen und Schüler mit entsprechendem Förderbedarf seit diesem Zeitraum zur Albert-Liebmann-Schule in Hannover und können dort einen Haupt- oder Realschulabschluss erwerben. Zurzeit werden 150 Schülerinnen und Schüler im Primarbereich der Schule beschult.

 

Angesichts der seit den neunziger Jahren währenden Diskussion um eine integrative Beschulung von sprachbehinderten Kindern kann die SIGF nur Überlegungen anstellen. Die SIGF ist derzeit in 15 Grundschulen und weiterführenden Schulen mit der Durchführung des Mobilen Dienstes Sprache beschäftigt. Noch fehlen Lehrkräfte, um alle Schulen im Einzugsgebiet mit dem Mobilen Dienst ausreichend zu versorgen. Hier werden nochmals rund 150 Schülerinnen und Schüler gefördert. Derzeit lassen die Bedingungen in den Grundschulen es kaum zu, eine erfolgreiche Beschulung zu gewährleisten, wenn die schulischen Erfolgsaussichten sich in der Regel nur an der gymnasialen Schullaufbahnempfehlung orientieren und die Berufsaussichten entsprechend schlecht sind. Aus diesem Grund entscheidet sich die SIGF im Rahmen der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs im Bereich Sprache  im Moment weiterhin, Kinder zur Einschulung in die SIGF zu empfehlen, um einen bestehenden Förderbedarf in einer separierenden Schulform aufzuarbeiten und Kinder letztlich gestärkt und gefördert in die weiterführenden Schulen zu integrieren, weil es in unserer Schule eine Bündelung an Fördermaßnahmen gibt. Letztlich ist aber der Elternwunsch das maßgebliche Entscheidungskriterium. Gesamtgesellschaftlich gesehen, nehmen Sprachbehinderungen eher zu als ab. Das bedeutet konkret, dass Kinder gewappnet sein müssen, auf einer breiten Lern- und Entwicklungsbasis bei den gesellschaftlichen Anforderungen zu bestehen.

 

Die SIGF ist allerdings bereit, neue Formen der Beschulung im Schulgebäude und auch außerhalb in den Grundschulen und weiterführenden Schulen mit zu initiieren, um den gesellschaftlichen und politischen Anforderungen  gerecht zu werden.

 

 

 

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4. Schule Im Großen Freien in Zahlen

 

1910 Baubeginn des Schulgebäudes in Ilten als Volksschule

1912 Fertigstellung des Schulgebäudes

1950 Ausbau des Schulgebäudes um 2 Klassenräume, ein Lehrerzimmer und eine Lehrküche an der Südseite

1957 Anbau eines WC-Bereichs an der Nordseite, neue Eingangssituation

1964 Verkleinerung des Schulgrundstücks wegen Errichtung eines Neubaus mit Wohnungen und Feuerwehrräumlichkeiten an der Hindenburgstrasse

1965 Umwidmung des Schulgebäudes in eine Sonderschule

1968 Aufgabe des Gymnastikraumes der Schule, Mitnutzung der neuen Sporthalle in Ilten

1970 Wechsel der Schulträgerschaft zum Landkreis Hannover

1981 Umbau der Schule, Schaffung neuer Klassenräume durch Auszug des Rektors

1985 20jähriges Schulbestehen der Schule für Lernbehinderte

1990 Namengebung der Schule

1992 Umwidmung der Schule zur Förderschule Schwerpunkt Sprache

1997 Aus- und Um bau der Schule

2002 10jähriges Bestehen der Förderschule Schwerpunkt Sprache

2005 Bezug der neuen Klassenräume im ehemaligen Feuerwehrhaus

2006 Fertigstellung der Schulhofumgestaltung

2007 Fertigstellung des Computernetzwerkes

2009 Vorläufige Fertigstellung des Austauschs von veraltetem Mobiliar

       2012 100-Jahr-Feier Schulgebäude, 20-Jahr-Feier Förderschule Sprache,10-Jahr-Feier 

                Förderverein

       2013 Beginn der flächendeckenden Förderung im Einzugsgebiet für Schülerinnen und

                Schüler mit dem Unterstützungsbedarf Sprache im Rahmen der Inklusion

       2014 Erneuerung des Computernetzwerkes

       2015 Bestandsschutz der Schule, keine Auflösung aufgrund der inklusiven Beschulung

Ansicht von der Hindenburgstraße heute

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Schule Im Großen Freien als "Joiner" (Fotocollage)


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